Auf zu neuen Ufern der Kunst, ein kleines Resümee

So langsam kommt bei jedem Mal der Zeitpunkt an dem man überlegt mal was Neues auszuprobieren. Nachdem ich jahrelang vom Teenageralter an, mich nur auf Bleistift und Acrylfarben festgefahren habe, kam zumindest vor ca. 3 Jahren schon mal Aquarell und Gouache dazu. Ich hatte mir eine gute Auswahl an Farben beim Onlinehändler meines Vertrauens bestellt, aber aus Angst vor dem neuen Medium nie ausprobiert… es gab zaghafte Versuche mit Aquarell, die mal mehr oder minder gut waren und so blieben die Dinge erst einmal wieder lange Zeit unbenutzt und stapelten sich in den hintersten Ecken meines Künstlerregals, da ich immer dazu neige mich erst mit diversen Fachbüchern einzudecken (durch die Stadtbibliothek oder der Buchhandlung meiner Wahl). Dadurch ist der Praxisanteil immer sehr kurz, ich bin die meiste Zeit damit beschäftigt, mir das Wissen aus diesen Büchern anzueignen. Doch eine gute Freundin, die ihrerseits auch Künstlerin ist und mich auch schon einige Jahre seit dem Gymnasium begleitet (auch in künstlerischer Hinsicht) sagte vor nicht allzu langer Zeit zu mir: „Es hilft nicht, immer nur Bücher zu lesen in der Hoffnung, dass du dann besser malen kannst. Mal einfach!“

Ja und dieser Satz troff gerade nur vor Wahrheit. Wahrscheinlich könnte ich den größten Teil der Bücher auswendig und rückwärts rezitieren, aber macht mich das zu einer besseren Künstlerin? Definitiv nein! Also musste ich wohl oder übel die Farben wieder aus den staubigen Ecken kramen, mich um vernünftiges Papier kümmern und loslegen.

Zudem muss ich mich auch immer dazu bringen, mehr zwischendurch zu zeichnen um die allgemeinen Fähigkeiten zu verbessern, also schnappe ich mir immer häufiger einfache Gegenstände oder Personen um das schnelle skizzieren zu lernen (ohne Radiergummi wie meine Freundin immer wieder betont…die verlockende Künstlersünde des Teufels *lach*) und einfach lernen drauflos zu zeichnen um dann die Skizze auszuarbeiten. Meistens stecke ich nämlich in eine einfache Skizze so viel Zeit und Energie rein, wie in ein ganzes Gemälde. Frust ist dann meistens vorprogrammiert. Es ist ziemlich schwer für mich sich aus solchen festgefahrenen Gewohnheitsmustern zu lösen, aber ich gebe mir größte Mühe 🙂

Früher stand ich auch extrem auf Mangas, allerdings immer solche die schon komplizierter zu zeichnen waren als Chibi- Figuren mit tellergroßen Augen und den Proportionen von Ü-Ei Figuren. Mich haben meistens die Werke von Kaori Yuki und auch Clamp sehr interessiert. Klar gab es auch da einige einfacheren Zeichnungen, aber alles in allem hatten sie ein sehr schönes Design und ich verbrachte lange Zeit meines Lebens damit ihnen nachzueifern und auch so tolle Figuren zu erschaffen (nicht unbedingt ganze Mangas aber einzelne Figuren). Aus mangeldem Realismus jedoch wandte ich mich schnell der Portät- und Aktmaleri zu (hierbei scheine ich jedoch nicht genug Talent bis jetzt zu besitzen).

Kurz vor einem gemeinsamen Urlaub in den Niederlanden hatte meine Künstlerfreundin sich COPIC(R)- Marker angeschafft. Sauteure Stifte auf Alkoholbasis und zauberte damit fantastische Bilder, wenngleich auch noch im Manga Stil (weil sie teilweise einfach dafür ausgelegt sind und von vielen Zeichnern der Fachrichtung benutzt werden). Mein Interesse an diesen Stiften war eine ganze Zeit geweckt, jedoch schreckte mich die schier unendliche Farbauswahl und nicht zuletzt auch der horrende Preis als Unterstufenschülerin gehörig ab. Jahre später hätte ich die Möglichkeit gehabt, die Stifte von ihr abzukaufen, leider kam mir jemand anders zuvor. Zumindest hätte ich so schon mal 20 wenig gebrauchte Stifte mein Eigentum nennen können. Wieder einmal sind die Stifte lange Zeit in den Hintergrund gerückt, bis ich bei ebay Kleinanzeigen vor rund zwei Jahren auf eine Alternativmarke gestoßen bin: Shinhan Twin Touch Marker, gleiches Prinzip, günstigerer Preis und gebraucht waren sie für ein echtes Schnäppchen zu haben. Hier liegt die Farbauswahl auch gerade mal bei 168 Farben (was immer noch viel ist). Zugegeben als meine Freundin sie testete, war sie davon weniger begeistert als von COPIC, aber irgendwo musste der Preisunterschied ja herkommen. Ich habe sie noch nicht oft benutzt, aber für meine Ansprüche werden sie erst einmal genügen und so schlecht waren die allgemeinen Kritiken immerhin auch nicht von anderen Usern. Zumindest werden Shinhan und COPIC oft in einem Atemzug genannt, wenn es um Markerstifte für Designer, Sprayer und Mangakas geht; und das genügt mir als Einsteiger. Nicht ganz ein Jahr später konnte ich meine Sammlung um über hundert Stifte erweitern, dass ich nun einige Farben doppelt habe stört mich herzlich wenig, Nachschub kann man immer gebrauchen.

So weit so gut, wieder einmal bin ich vor einiger Zeit an dem Punkt angelangt wo ich mir gedacht habe, dass es noch mehr Kunstbereiche geben könnte, die mich interessieren. Eine kurze Charaktergeschichte eines guten Freundes zu einem Pen & Paper Rollenspiel und ein Computerspiel welches er mir lieh, brachte mich auf die Sparte des Graffitis und der Street Art. Auch das war kurze Zeit ein Bereich, den ich früher schon gut fand, aufgrund der negativen Ausstrahlung dieser Kunst und das Schubladendenken ließ ich jedoch meiste Zeit die Finger davon (bevor meine Eltern nachher noch dachten ich würde nachts mit Maske und Sprühdose um die Häuser ziehen). Jetzt so langsam taste ich mich allmählich vor, leihe mir wieder einmal Fachliteratur aus (wobei das Angebot der Bib noch recht rar ist, was ich gerade versuche zu ändern ;-)) und habe jetzt vielleicht auch noch einen Grund mehr gefunden mehr meine Auswahl an Shinhan Markern zu nutzen. Auch Airbrush ist meiner Meinung nach eine Kunstsparte, die mir sehr zusagt, habe ich doch auf der Creativa 2010 einen wunderbaren Künstler bei der Arbeit beobachten können, der grandiose Fantasybilder mittels Sprühpistole und alltäglicher Gebrauchsgegenstände (wie eine Tellerabdeckung für Mikrowellen). Allerdings ist es auch hier so, dass nur Bücher meistens nicht weiterhelfen (leider). Da beide Richtungen jedoch finanziell ein wenig ausladender sind als andere würde ich gerne erstmal Schnupperworkshops belegen um für mich festzustellen, ob das langjährige Beschäftigung mit sich bringt oder vielleicht doch nur eine kurze Phase ist. Da ich wahrscheinlich für den Airbrush-Kurs der Jugendkunstschule Gladbeck zu alt sein werde, muss ich mich da wohl anderweitig umsehen. Einen Street Art Kurs kann ich hoffentlich im November an der VHS Essen belegen. Derweil muss ich mich damit begnügen andere Künstler und deren Arbeiten (im metaphorischen Sinne) anzusabbern und das – wie ich finde- gute Einsteigerbuch „Graffiti School“ von Christoph Ganter durchzuarbeiten.

Jedoch habe ich mich Samstag schon mal einen Schritt weiter voran gewagt und durfte einem tollen Graffitikünstler aus Gelsenkirchen bei einer Auftragsarbeit über die Schulter schauen und war restlos begeistert. Ich hatte den Künstler Sponk bereits beobachten können als er den Salzgrottenbunker von Scholven verschönert und gestaltet hat. Ich habe den Werbeaufkleber gesehen und die Website besucht, damals war sie jedoch wohl noch recht neu und noch ziemlich leer. Letzte Woche bin ich in meinem Begeisterungswahn mal wieder auf die Website gestoßen und diesmal konnte man sich tolle Fotos von fertigen Arbeiten ansehen und siehe da: auch auf Facebook konnte man ihn auch finden. Also: Chance genutzt. Und auch wenn sich mir leider keine Möglichkeit bietet einen Kurs bei ihm zu belegen, da seine Streetart Academy sich vornehmlich an Schüler bzw. Schulklassen richtet, so fand ich es doch klasse, dass er mich eingeladen hat, ihn bei deiner Arbeit zu beobachten. Also machte ich mich Samstagmittag auf den Weg nach Gelsenkirchen und wurde erschlagen von dem Anblick an Sprühdosen die sich auftürmten und in Farbvariationen, die mein Künstler- und Farbfanatikerherz höher schlagen ließ. Das Auge und die Muße für seine Detailarbeit faszinierte mich und auch wenn manch einer sagen würde, dass in den drei Stunden, die ich da war „nicht allzu viel“ passiert ist, so ist doch eine ganze Menge passiert, die das Werk erst zur Geltung kommen lassen.

Auf jeden Fall war dieser Besuch genug Ansporn, sich doch ein wenig mehr mit dieser Kunstart zu beschäftigen und es nicht nur beim Begeisterungswahn zu belassen.

Falls ihr auch mal Lust habt die Internet- und Facebook Seite zu besuchen um euch die Arbeiten anzusehen gebe ich euch hier die Links.

FB:

https://www.facebook.com/SponkGraffiti

HP:

www.sponk-design.de

 

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