Carpe Noctem/Carpe Diem

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ – Goethe

In der momentanen Situation gibt es viele Kontroversen und normalerweise lasse ich solche Dinge nicht in meinen Blog, aber auch ich reflektiere die letzten Wochen von meinem Standpunkt aus.

Ich gehe meist nur zwei-, maximal dreimal am Tag raus. Ein- bis zweimal mit den Hunden, einmal, wenn ich zur Arbeit muss, denn ja, wie viele meiner Freunde und Bekannten, die ebenfalls im Gesundheitssektor arbeiten, kann ich weder Homeoffice, noch Kurzarbeit machen und eigentlich bin ich froh drum, denn ich mache meinen Job gern. Aber ja, manchmal wünsche ich es mir trotzdem. Denn je öfter ich vor die Tür muss, desto größer ist die Chance meinen Patienten was einzuschleppen. Dass ich dennoch genügend Familien sehe, die meinen, jetzt eine Biketour machen zu müssen oder Reitergruppen, die jetzt herumtummeln, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Ich gehe gerade so lange raus, wie unser Schnauzer Bub eben braucht, um seine Geschäfte zu erledigen. Der kleinen rumänischen Schnappschildkröte ist es egal, die macht eh nur in den Garten.

Ja, auf alles worauf ich mich die nächsten Monate gefreut habe, ist im Nichts versackt, angefangen von unserer Haflah Ende März, das Serenity Konzert mit Jenni, unser erster Marktauftritt des Jahres in Geretzhoven oder unser Tribal Training oder Bogensport. Auch ein länger ersehntes Treffen mit alten Freunden, was durch Arbeit und andere Faktoren immer wieder verschoben wurde. Viele Sachen würden einfach nur nach hinten geschoben, worüber ich sehr dankbar bin, so muss man nicht völlig verzichten und für das ein oder andere kann ich noch ein bisschen sparen. Aber ich habe auch genügend andere Dinge, die ich in meinen vier Wänden realisieren kann. Ich habe genügend Farbe und Leinwände, und ich habe seit mehreren Tagen das Bedürfnis mich intensiv mit meiner (leider) etwas angestaubten Harfe zu beschäftigen. Tatsächlich möchte ich gerne zwei Harfenistinnen auf Patreon unterstützen, da ich es nicht in absehbarer Zeit schaffen werde Privatunterricht nehmen zu können.

Und auch andere Bekannte nutzen die Zeit, häkeln, malen, schreiben oder versuchen ihre Tätigkeit online auszuüben. Unsere Tanzmutti stellt uns Lehrvideos von sich zur Verfügung, was ich echt klasse finde, im Gegenzug zahlen wir erst einmal die Beiträge weiter, was auch ihr hilft als Selbstständige über die Runden zu kommen.

Unser OBOD Ritual können wir Zuhause machen und mit den anderen teilen. Mit zwei Kids sehe ich zu, dass sie ihren Schulstoff erledigen in dieser Zeit und auch darüber hinaus mit ihnen lerne um eventuelle Defizite zu vermeiden oder auszubügeln. Wir leben eigentlich in einer „glücklichen“ Zeit, so jeder guten Internetzugang hat und sich schier unendlich weiterbilden kann.

Lernt in der Zeit, doch eine neue Sprache, die ihr immer wieder aufgeschoben habt. Die meisten namhaften Anbieter, gewähren euch Gratismonate oder gute Rabatte. Guckt nach kostenlosen Onlinekursen bei Udemy. Unterstützt kleine Künstler, die es jetzt dringend nötig haben. Bestellt bei ihnen Gutscheine oder Waren, die sie verschicken können (solange der Postweg noch funktioniert). Autoren bieten manche ihrer Bücher als eBooks gratis an oder Hörbücher. Jetzt wäre die Zeit, all das zu tun, wo ihr vorher lamentiert habt, dass euch die Zeit fehlt. Jetzt könnt ihr sie nutzen. Auch eure Kinder. Macht die (Schul-) Aufgaben mit ihnen zusammen, lernt neu oder lernt wieder. Nutzt die Zeit für Gesellschaftsspiele, kooperativ oder kompetitiv.

Heute auf einer leeren Pferdekoppel habe ich kurz mit den Hunden innegehalten, mich kurz hingesetzt, die Augen geschlossen und bewusst geatmet und einen kleinen Segen gesprochen. Es waren nicht einmal fünf Minuten, doch sie haben viel bewirkt in mir. Mein kleiner Dank an mich selbst, dass ich immer noch täglich für meine Klienten da sein kann. Wer weiß, wie lange ich noch mit den Hunden spazieren gehen darf in den nächsten Tagen oder Wochen. Aber ich bin schnell und ohne Umwege nach Hause bzw. wurde sogar von meiner Frau mit dem Auto abgeholt. Wir haben ganz früh den Wochenendeinkauf kurz und schmerzlos erledigt. Keine Hamsterkäufe, wie anscheinend der Rest unseres Dorfes, der dafür sorgt, dass der noch arbeitende Teil nach der Arbeit kaum noch Lebensmittel oder Hygieneartikel vorfindet, nach denen er sich schon seit Tagen sehnt. Es geht sogar so weit, dass schon Artikel aus Einkaufswagen anderer Leute (uns) entwendet wurden. Dazu fällt mir ehrlich gesagt nichts mehr ein. Dazu kommt dann noch ein Haufen wilder Verschwörungstheorien oder hirnrissige Äußerungen, dass man sich gegenseitig auf möglichst großen Zusammenkünften ansteckt um „einmal durch zu sein“ oder dass es ja nicht angeht, dass Kinder ihre Freunde jetzt nicht treffen dürfen oder wie jetzt Spielplätze geschlossen werden können. Zu jeder Zeit im Jahr ist es vielen Eltern egal, dass ihr Nachwuchs nur vor der Glotze oder dem PC hängt, aber genau jetzt, wollen sie alle an die frische Luft. In etwa verhält es sich so: Gibt man den Menschen Wurst, wollen sie Käse. Gibt man ihnen Wurst und Käse, wollen sie Marmelade. (Ja, der Gedanke ist mir tatsächlich beim Frühstück gekommen).

Für meine freien Tage, wo ich eigentlich unterwegs gewesen wäre, werde ich jetzt Harfe üben (genug Material habe ich ja), offenstehende Aufträge (hoffentlich) fertigstellen und lesen. Tatsächlich habe ich sogar wenig Lust auf Games oder Filme. Meine Frau betreut jetzt für ihre Bewohner und deren Angehörige ein internes soziales Netzwerk damit sie per Videochat und Nachrichten kommunizieren können. Es geht alles, wenn man will und sich gerade jetzt auch mal ein bisschen zurücknimmt.

Stay safe und creative Alantya

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