Art Supplies Take 2 (und ein paar Rezensionen)

So ganz verstehe ich das nicht, dass man jetzt in Quarantäne /Lockdown /Ausgangssperre meint, man müsse sich jetzt „glücklich“ shoppen. Egal ob Ausgangssperre wäre oder nicht, seit Monaten habe ich mich darauf gefreut endlich mal wieder Kunstkrempel shoppen zu können. Auch wenn ich mir nur eine Hälfte meines Warenkorbs leisten konnte, da diesen Monat meine Frau Geburtstag hatte, der Hund operiert wurde und zum Schluss auch noch das Auto mal wieder unverhofft in die Werkstatt musste. Gut, also, dass ich nicht übermäßig über die Strenge geschlagen habe und so bleibt mehr Vorfreude auf das nächste Mal. Einen Teil gebe ich zu, habe ich bei „Big A…“ bestellt, aber nur weil der Creativ Discount die bestimmten Aquarellblöcke nicht hatte. Ich habe mir von Hahnemühle mal raues Papier bestellt und auch mal richtig richtig Gutes, welches ich mal ausprobieren wollte, seit ich damals den „Selection Block“ gekauft habe. Jetzt hab ich raues „Cornwall“ (sonst immer matt) mit 450g/m2, „Andalucia“ 500g/m2 (mit rauer und matter Seite), „Echt Bütten“ 300g/m2 und das Veneto mit 325g/m2. Dazu kamen noch ein paar gebrauchte Bücher wie zum Beispiel dieses Schätzchen hier:

Seit ich mein letztes Bild beendet hatte haben es mir Schädel noch mehr angetan gerade sie zu zeichnen. Dieses Buch zeigt ein unglaubliches Spektrum an Tierschädeln, interessante Informationen und kleine Anekdoten vom Besitzer der ungeheuren Sammlung. Definitiv einer der besten Bildbände, die sich in meinem Besitz befinden.

Zwei Bücher von David Bellamy konnte ich auch ergattern, das Skies and Light seit Jahren auf meinem Wunschzettel, dass zweite hab ich eher durch Zufall entdeckt. Er scheint so eine Art Bob Ross der Aquarellmalerei zu sein, ich bin gespannt.

Das „Alles über die Techniken der Aquarellmalerei“ vom Michael Fischer Verlag war hingegend „etwas“ enttäuschend.

Von 140 Seiten gesamt (mit einer großzügigen Menge ganzseitiger Bilder) behandeln schon 86 Seiten Material, Papiersorten, Zubehör und oha… Farblehre. Seit den beiden tollen Videos der Youtuberin Kritzelpixel (links einfügen) reagiere ich auf das Thema auch etwas allergisch. Nicht nur, dass sie sich in der Einleitung auf Itten beziehen. Auch die Farbdarstellung ist etwas… Irreführend, denn sie (die Autoren) sagen zwar dass die Primärfarben Cyan, Magenta und Gelb sind, schreiben dann aber, dass die Aquarellfarben Coelinblau, Krappkarmin!? und Mittelgelb diesen Farben nahekommen… Also ich weiß ja nicht wie farbenblind man sein muss, aber auf dem Foto sehe ich nicht dass Krappkarmin Magenta irgendwie ähnlich sieht. Vlt probiere ich deren „Mischanleitungen“ mal aus und berichte über meine Ergebnisse. Aus urheberrechtlichen Gründen zeige ich nur die drei Primärfarben wenn ihr die Farbmischungen sehen wollt kauft oder leiht euch das Buch. Vielleicht mache ich aber auch ein Youtube Video mal darüber (näheres dazu später).

Auf Seite 19 ff. kommt auch das Thema Farbkarten kurz auf. Auf der nächsten Doppelseite findet man dann 110 Farbtöne mit Sternchen wie lichtbeständig die Farbe ist… Die letzten drei Farben haben anscheinend keine (also weniger als gering), nämlich Brilliant Purpur, Brilliant Rotviolett und Brilliant Blauviolett. Was den Autoren wohl nicht so ganz geläufig war: von welcher Marke stammen die Farben (edit: hab es im Bildnachweis ganz am Ende gefunden, es ist Schmincke), vorher wird nirgends darauf hingewiesen oder auch erwähnt, dass andere Marken andere Farben oder Farbnamen benutzen; wenn das Buch doch so für Anfänger ist, warum wird nur auf Lichtbeständigkeit eingegangen, aber nicht auf Transparenz und Opazität der einzelnen Farben, auf dem Foto sehen nämlich alle Farben hochdeckend aus, neuere Farben wie Geranienrot, Saturnrot, Brilliant Opernrosa uvm. fehlen; sind es Studienfarben oder Künstlerfarben usw.

Na ja und die Tatsache, dass gerade mal 40 beschriebene Seiten von den Techniken handeln und teilweise gerade mal in drei bis fünf Sätzen angerissen werden (z.B. Negativmalerei, die ich total spannend finde) macht es nicht besser. Also ein sehr durchwachsenes Buch, aber dennoch hübsch aufgemacht und „wertig“ vom Material, auch wenn das das Buch nicht herausreißt.

Das „Praxisbuch für Künstler“ von Ray Smith wiederum ist für ein „Übersichtbuch“ unglaublich detailliert und ausführlich. Dieses Buch begehrte ich schon in seiner „antiken“ Fassung (2003) in unserer Gladbecker Bibliothek. Zum Glück konnte ich nach langem Warten die überarbeitete Ausgabe ergattern (Neuauflage von 2009, nochmals in Deutschland aktualisiert 2019). Neben den klassischen Techniken, gibt das Buch auch Einblicke in Drucktechniken, digitale Medien und – richtig spannend – angewandte Kunst (vom Fresko bis Lichtmalerei), dazu noch ein Kapitel über Konservierung und Rahmung und ein Anhang mit netten Zusätzen. Besonders toll finde ich natürlich das ausführliche Kapitel über Pigmente (satte 21 Seiten) inkl. Tabelle mit alternativen Bezeichnungen, chemischer Zusammensetzung, Lichtechtheit, Deckfähigkeit!, Farbkraft und auch ganz wichtig: Giftigkeit, Verwendungsmöglichkeiten und eine Spalte für Herkunft oder besondere Bemerkungen. Dieses Buch ist für mich ein Kleinod von unschätzbarem Wert.

Dann habe ich noch ein letztes Buch gekauft, was dem Umstand geschuldet ist, dass ich eine neue Lernplattform ausprobiert habe (danke Gesichtsbuch-Algorhythmus). Domeštika ist eine spanische Seite /App, ähnlich wie Udemy aber fast ausschließlich auf Kunst und Design ausgelegt und in meinen Augen auch hochwertiger, da dort nicht jeder Hinz und Kunz Unterricht anbietet, sondern halt Künstler und Illustratoren, es gibt zwar eine Business /Marketing Sparte, aber auch da findet man teilweise kunstbezogene Themen. Mittlerweile komme ich gut damit zurecht die Videos zu gucken, spanisch zu hören und englische Untertitel zu lesen (Multitasking Deluxe), der Kundensupport ist sehr freundlich und hat auf meine konstruktive Kritik (was aber nur die App betrifft) sogar super lieb geantwortet. Ja und dort mache ich jetzt den Kurs „Modern Watercolour Techniques“ von Ana Victoriana Calderon. Eine mir sehr sympathische Frau mit einem coolen Stil. Sie bietet, glaube ich, drei oder vier verschiedene Kurse an, die aber dennoch thematisch zusammenhängen. Na, so modern sind die Sachen jetzt auch nicht, sie experimentiert mit Aquarellfarben und verschiedenen Flüssigkeiten wie Alkohol, Aceton oder Chlor um so bestimmte Effekte zu erzielen. Also vielleicht modern in dem Sinne, dass es solche Chemikalien früher noch nicht gab. Dennoch ist der Kurs spannend und unterhaltsam und für umgerechnet 11 Euro für drei Stunden Videomaterial, lebenslangen Zugriff und Diskussionsplattform kann man nun wirklich nichts verkehrt machen. Und die gute Dame hat halt eben auch ein Buch herausgebracht (um die tausend Fäden mal wieder zusammenzuführen): „Color Harmonies for artists“. Eine Ansammlung von verschiedenen Möglichkeiten interessante Farbmischungen und eben Harmonien darzustellen. Für Menschen, die nicht gern selber tausendfach herumexperimentieren möchten, ein guter Leitfaden; für etwas erfahrenere Personen eine gute Ideensammlung mit dem ein oder anderen tauglichen Input. So ganz genau hab ich noch nicht reinschauen können, aber ich weiß jetzt schon, wenn man schlechte Laune hat (oder Farbentzug) , muss man nur in diesem Buch nachschlagen und man fühlt sich, als hätte man einen Regenbogen gefuttert.

Kommen wir nun zu den etwas praktischeren Dingen. Dem eigentlichen Kunstkrempel, der nicht von „Big A…“ stammt. Der erste (und größte) Anteil stammt vom Creativ Discount und hat mich leider bei 2 Produkten dieses Mal ein wenig enttäuscht. Fangen wir also damit an, damit gleich noch ganz viel positives kommt.

Zum einen habe ich mir eine Kunststoffpalette gestellt mit 30 Näpfen, da ich bisher immer nur im Deckel meines Farbkastens gemalt hatte. Aber natürlich gibt es zwischen Kunststoff und Kunststoff himmelweite Unterschiede, leider so auch hier. Anstatt stabilen Kunststoff bekam ich eine Palette Marke dünner Tischtennisball geliefert. Viele der Mulden waren bereits unschön eingedrückt und selbst als ich sie wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht habe, es sind immer noch die Knicke im Plastik zu sehen. Ja ich habe mich aufgrund des Gewichtes und ein wenig wegen dem Preis für Kunststoff entschieden, aber so eine herbe Enttäuschung hätte ich jetzt auch nicht erwartet. Ich werde sie zumindest so lange nutzen bis ich meine Keramikpalette mit immerhin elf Näpfen bekomme, denn für draußen ist die Plastikpalette eben auch nicht geeignet, da sie bei jedem Lüftchen (selbst wenn gefüllt) einfach davonfliegen würde. Sie ist also nur praktisch wenn ich auf das Gewicht achten muss, und meine Kunsttasche mit zu Freunden bringe.

Die zweite Enttäuschung war die Bestellung eines französischen Aquarellpinsels. Für Nicht- Künstler muss man kurz erklären, dass diese Pinselart ein ganz bestimmtes Aussehen hat, nämlich dieses:

Der Unterschied besteht nur in der Größe, also Länge und Umfang des Pinsels bzw. der Pinselspitze. Ich habe mir einen in Größe 6 bestellt, was schon „ordentlich groß“ sein sollte, laut Aussage meiner Künstlerfreundin. Was allerdings bei mir ankam war allerdings so weit von der Realität entfernt, dass ich, im Gegensatz zu der Palette, es nicht eingesehen habe, auf den Kosten (fast 9 Euro) sitzen zu bleiben. Für mich war das schlicht und einfach ein Fehhaarimitat Pinsel, der auch noch durch die vermeintliche Plastikschutzkappe beschädigt worden war. Die Kappe war nämlich so eng, dass die äußeren Haare des Pinsels abgeknickt wurden und ihn somit aus der Form brachten. Also Widerruf geschrieben und zurück geschickt.

Die lange Lieferzeit von knapp 12 Tagen (war aber auch Wochenende dazwischen) ist natürlich den momentanen Umständen geschuldet und werde das natürlich nicht negativ auslegen, denn ich weiß ja, dass meine Sachen sonst meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ankommen. Coliro als kleine Firma, hat es aber dennoch geschafft, meine am selben Tag aufgegebene Bestellung nach 24h zu verschicken (Ja es gibt auch wieder zwei neue Coliro Colours in meinem Bestand)

Positiv waren aber definitiv die anderen Produkte, die ich bestellt habe. Zum einen, der oft hochgelobte Canson Xl Block für Aquarell mit 300g/m2 und Perforationskante. Ich wollte einen Blick für kleine Arbeiten, deshalb hab ich ihn erst einmal in DIN A 5 bestellt, aber vielleicht kommt irgendwann noch einer in A4. Ausprobiert habe ich ihn schon kurz für Swatches, aber kann noch keine genauen Angaben machen, wenn ich das erste Bild gemalt habe, mehr dazu.

Dann hat noch ein Kraftpapier Sketchpad Einzug gehalten mit satten 120 Blättern (100g/m2) und einer glatten Oberfläche (Auch wenn ich dachte sie sei rau, vielleicht gibt es da auch Unterschiede). Das Preis -Leistungsverhältnis war auf jeden Fall unschlagbar und ich bin gerade mit einer Skizze dran, mal schauen wie die verschiedenen Medien sich auf dem Papier nutzen lassen.

Vorletzter Artikel ist recht unscheinbar und bedarf nicht großer Worte. Ein Skizzenbuch mit 80 Blatt in A3 Format. Das Papier ist etwas dicker als erwartet (also kein gruseliges Druckerpapier) und leicht angeraut. Cover schlicht -schwarz in Kunstleder Optik und bereit zum „pimpen“, denn es soll eine Art Kunstjournal werden, der wie ein Tagebuch meinen persönlichen (künstlerischen) Werdegang beschreibt, daher ist es gut, dass das Papier etwas dicker ist, so kann ich Collagen von Fotos jener ersten Bilder aus verschiedenen Lebensjahren einkleben. Ich habe nämlich noch einen Haufen älter Bilder aus meiner Grundschulzeit (und ich muss echt gucken, ob ich noch meine Bilder aus dem KiGa finde, das wäre superlustig). Natürlich kommen dann, wenn ich meine Vergangenheit „verarbeitet“ habe auch die Gegenwart. Ein paar Gedanken über den Aufbau muss ich mir noch machen, aber das Gerüst meiner „Reise“ steht.

Zum Schluss kommt natürlich das persönliche „Schmankerl“ und was könnte es bei mir anderes sein als…richtig: Farben. Ich habe knapp die Hälfte meiner Schmincke Horadam Wunschliste abgeklappert und 11 Farben gekauft, die mich erst einmal von Produktbild angesprochen haben. Und ich würde anders als beim Pinsel nicht enttäuscht. Nur das Saturnrot sieht geswatcht aus wie Neonorange (Ist der Saturn orange?) Alle anderen Farben wirken wunderschön je die zusammengestellte Palette (ehemals das Lukas Travel Kit) wirkt auf mich sehr harmonisch (das Indigo hatte ich schon vorher) Macht euch selbst ein Bild davon, aber keine Highlights (wenn ich welche wählen müsste) sind Chinacridongoldton, Potters Pink, Perylengrün und Perylenviolett, aber ich mag sie alle. Beim nächsten Mal kommen dann die restlichen Farben und ein neuer großer Kasten damit die Farben aus dem Travel Kit ihr Dasein nicht weiter in einem Zipper -Beutel fristen müssen.

Ja das war ein sehr langer Post, ich weiß, und jeder der es bis zum Ende geschafft hat: Respekt! Ich warte derweil noch auf meine Kreativ.de Bestellung, die haben großen Sale momentan (vielleicht möchtet ihr auch noch zuschlagen), und ich glaube diese Website läuft bald meinem vorherigen Favoriten, Creativ Discount, den Rang ab, da das Angebot an hochwertigen Materialien um einiges besser und umfangreicher ist. Habt ihr euch was gegönnt in letzter Zeit? Oder wart besonders kreativ? Schreibt mir doch gern in den Kommentaren. Ich persönlich vermisse die Artist Days mit meinen Freunden sehr und auch der Möglichkeit so was online zu machen stehe ich etwas skeptisch gegenüber, nicht zuletzt weil ich keine gute Webcam habe (Pixelparty). Aber diese Zeit wird bald hoffentlich vorbei sein oder zumindest teilweise. Heute findet zum ersten Mal online unser Tanztraining statt, und ich bin gespannt wie das wird. Besser als nichts, hoffe ich.

Stay creative,

Alantya

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