Von den Dingen, die mich verändert haben…

Dieser Blogpost enthält Spuren von emotionalen Ausbrüchen, vielleicht auch das ein oder andere Gemecker, aber seid versichert, alles geht gut aus im weitesten Sinne, versprochen 😉

Warum ich diesen Beitrag schreibe, weiß ich selber nicht so genau. Auf der Rückfahrt von der Arbeit erfasste mich die Erkenntnis dass ich dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum habe. Welches genau? Vor 10 Jahren, kurz nach meiner ersten Ausbildung nach dem Abitur als Medienkauffrau wurde ich auch vom selbigen Glück eine Arbeitsstelle zu haben, wieder verlassen und stand nun da, mit einer Ausbildung, die schulisch zwar top war und mir auch Spaß gemacht hatte, das Arbeitsumfeld jedoch eher nicht. Durch neu gewonnene Freunde beim Tribal Tanzen und meinen häufigen Aufenthalten in einer Larp Taverne in der Nähe wurde mir nahegelegt es doch in der Altenpflege zu versuchen, nachdem ich aufgegeben hatte zu studieren, was ich wollte und das war einiges. Ich hätte also nicht sagen können, ich hätte damals nach dem Abitur keine Perspektiven gehabt. Es war so ziemlich alles dabei: Sonderpädagogik, Soziale Arbeit, Bibliothekswesen, Game Design. Meine Wunschausbildungen gingen in eine ähnliche Richtung, Hauptsache was mit Büchern oder was Kreatives. So habe ich mich als Fachkraft für Medien- und Informationsdienste beworben und wäre auch fast genommen worden…hätte die andere Bewerberin nicht das „notwendige“ Vitamin B gehabt, da der Vater im Stadtrat saß… that’s life (und ja der Spruch wird noch häufiger fallen) und ja, es war dann auch egal, dass ich in meiner Freizeit/Ferien immer so oft es ging im Literaturbüro ausgeholfen habe oder als Freiwillige Helferin mich bei der alljährlichen Kinderliteraturnacht engagiert hatte (nachdem ich selbiger Altersgruppe entwachsen war). Und ja: auch die Illusion professionelle Theatersschauspielerin zu werden stand im Raum, wenn auch nur kurz und überwiegend schmerzlos.

Studieren dauert lange und kostet Geld, eine Menge Geld, dass ich nicht hatte. Also etwas machen, womit man zumindest Geld verdienen kann. Auch wenn das bedeutete dass die drei vorherigen Jahre für die Tonne waren. Seltsamerweise kam mir nie in den Sinn negativ über diesen Berufszweig zu denken, das einzige WAS ich dachte… Oh je, kann ich das wirklich? Alte Menschen pflegen? Ich konnte, und zwar erstaunlich gut. Weshalb ich nach drei Jahren mein Examen mit 1,3 bestand. Und es hatte mir durchweg Spaß gemacht, schulisch, als auch praktisch, selbst wenn nicht alle Außeneinsätze das Gelbe vom Ei waren. Und nun habe ich 10 Jahre in der Altenpflege bereits hinter mir und bestimmt noch etliche Jahre vor mir. Unglücklich bin ich damit nicht. Ich liebe mein Dasein als Nachteule und könnte mir (aktuell) nichts anderes vorstellen. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich genügsam bin. Ich muss keine zig Weiterbildungen machen, ich muss keine Führungskraft werden, das möchte ich nicht und das passt auch nicht zu mir.

Aber auch die Schattenseiten wurden mir schmerzlich bewusst, und ich rede nicht davon, dass die Menschen, die man pflegt, eines Tages nicht mehr da sind. Diese Schatten waren dann eher privater Natur. Dass Freunde, die nicht in dem Sektor arbeiten, sich über einen lustig machen, oder sauer sind, wenn man plötzlich nicht mehr jede Woche zur Pen and Paper Runde kommen kann, weil man arbeitet, lernt oder auch einfach nur geschlaucht ist, von 11-14 Tagen am Stück arbeiten. Dass die eigene Mutter jede gute Note, nicht mehr wertschätzt, weil: „man ist ja eh ein Streber“ (wäre ich das, hätte ich nicht so lange auf einen Studienplatz warten und eine Ausbildung anfangen müssen um gefälligst für mein eigenes Leben zu sorgen). Dennoch: die guten Seiten überwiegten. Scheiß also auf die Freunde, die deine Arbeit am Menschen Tag für Tag nicht wertschätzen, wehe ihnen, wenn sie irgendwann mal in der Situation sind. Karma is a Bi***. Höre nicht auf die verletztenden Worte der Mutter, immerhin ist ja der andere Elternteil immer hinter deinem Rücken.

Dem einigen, dem ich gelegentlich nachtrauere, sind meine ganzen (vorherigen) Hobbies, die ich aufgrund von unregelmäßigen Dienstplan an den Nagel hängen musste, wie z.B. besagte Pen and Paper Runden. Die andere Runde in der ich war, fiel dann nach unserem Umzug 2017 aufgrund der Entfernung flach, auch wenn ich gerne weiter Teil davon gewesen wäre. Das Tribal tanzen erhielt sich noch eine ganze Weile aufrecht, da ich im Rheinland eine andere Truppe gefunden hatte. Was wirklich wegfiel, war das Theaterspielen, denn ich tu mich immer schwer, einfach so in neue Gruppen einzusteigen (als Kind fiel mir das zumindest etwas leichter). Auch das Schreiben litt darunter, denn mein Kopf war zu voll mit anderen Dingen, die wichtiger waren, als einen Roman zu schreiben, den ich wahrscheinlich nie fertigstellte. Die weite Entfernung meiner Freunde, die es nicht schafften mich zu besuchen und mein Anspruch, zumindest ein Wochenende bei ihnen zu bleiben, da sich die weite Strecke, auch für mich, für ein paar Stunden nicht lohnte.

Aber ich möchte aufhören, auf hohem Niveau zu jammern, denn es gibt einiges, was mich diese Dinge gelehrt haben. Dankbarkeit. Und zwar tatsächlich für jene Freunde, die mich so unverhofft von sich gestoßen haben. Denn immerhin, aufgrund knapp 20 jähriger Freundschaft, verdanke ich meiner Namensvetterin so ziemlich alles, was ich jetzt bin. Hätte es sie nicht gegeben, hätte ich wohl nie ernsthaft angefangen Computerspiele zu spielen und mich zu einem Nerd zu entwickeln. Ich würde kein Star Trek/ Star Wars lieben. Wahrscheinlich würde ich auch nicht im zeichnen weitergekommen. Und vor allem: würde ich kein Pen and Paper spielen. Ich hätte weder DSA, noch die World of Darkness oder Shadowrun kennen und lieben gelernt. Dinge, die mir heute unglaublich wichtig sind. Und nicht zuletzt…würde ich mich auch möglicherweise nicht für Magie interessieren. Und zu was hat mich das gebracht? Das ich heute Schulleiterin einer Hexenschule bin um anderen Interessierten den Weg zu zeigen. Also geht mein janusköpfiger Dank an dich, auch wenn du diesen Beitrag nie lesen wirst und nie erfahren wirst, dass ich dich immer noch nicht vergessen kann.

Mit der Zeit kamen aber auch neue Hobbies, solche die schon lange in mir schlummerten und manche, die sich erst herauskristallisieren mussten. So kann ich heute behaupten, dass ich mit Freude keltische Harfe lerne, über Umwege bereits für ein Rollenspielsystem ein Hörspiel geschrieben und eingesprochen habe und an ein paar Texten für ein ebenjenes Spiel mitgewirkt habe. Mit dem Schreiben ist das so ein auf und ab. Mal war ich voller Elan und schrieb tage-, nächte-, monatelang und habe gestern erstaunt festgestellt dass ich knapp 200 Seiten geschrieben habe (und das nur auf PC, das Meiste existiert immer noch handschriftlich), aber die Verlagswelt ist hart und wer in der Branche selbst tätig ist…mehr als selfpublishing wird es bei mir nicht werden. Als Kind schrieb ich überall, wo ich nur konnte, und machte mir keine Gedanken, ich schrieb nur. Heute müsste ich sämtliche Texte komplett überarbeiten (und meinem jetzigen Intelligenz- und Schreibstand anpassen), heutzutage braucht man 1000 Ratgeber, was man schreiben darf und vor allem wie. Es gibt Regeln, Regeln über die ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht hatte (was ein Pech). Das Malen hat sich weiterentwickelt und ab und zu flattert mal eine Anfrage rein oder ein fertiges Bild findet den Weg zu glücklichen Käufern. Meistens jedoch erfreuen sich Menschen jedoch an einem neuen Geburtstagsgeschenk, wenn die Muse mal zugeschlagen hat. Ich widme mich auch Schritt für Schritt dem digitalen malen und einige Schritte habe ich bereits letztes Jahr unternommen.

Das Pen and Paper Hobby kommt langsam zurück, schleppend, aber es geht stetig vorwärts. Von einer coolen Community, wo man anfangs Zaungast war, ist man gewissermaßen aufgestiegen. Tolle, nette und verständnisvolle Leute haben dies einem immer noch schüchternen Menschen, wie mir erleichtert. Daraus resultierte die Mitwirkung an mittlerweile zwei Rollenhörspielen, ein interessantes Format, was ich bis letztes Jahr noch gar nicht kannte. Die Möglichkeit kreativ bei einer Kampagne mitzuwirken und seit diesem Jahr back to the roots in eine Art Kleinverlag, bestehend auf haufenweise verrückten und kreativen Menschen. Ja vielleicht können wir alle noch das ein oder andere bewegen. Aber auch da zeigte sich mein persönlicher Anspruch andere Dinge fallen zu lassen, man kann eben nicht auf 20 Hochzeiten zeitgleich tanzen. Ich habe mit meiner Freundin ein Forum zu betreuen, versuche mich in der PnP Community zu engagieren, verscuhe kreativ zu sein und spiele Harfe. Das Tanzen fiel somit für mich nach gut 10 Jahren raus, auf LARPs bekomme ich dennoch die Gelegenheit Gelerntes anzuwenden. Schlimm finde ich es nicht. Ich habe Vieles über meine Lebenszeit gefunden und wieder aufgeben müssen. Mittlerweile scheine ich eine Linie gefunden zu haben, der ich treu bleiben , und die ich kultivieren kann.

Mein Mann hat das auch nicht unwesentlich Schuld dran. Er unterstützt mich und umgekehrt. Jeder hat seine Freiräume, wir müssen nicht 24/7 aufeinanderhocken. Ein Konzept, dass sich mittlerweile für 15 Jahre bewährt hat. Dann und wann springen doch noch mal Funken des anderen Interessengebietes auf den anderen über, weniger als Last, eher als Bereicherung. Viele Dinge haben mich also verändert und ich habe häufig die Sicht geändert, vielleicht auch verlassene und verschlungene Pfade betreten, die andere links liegen gelassen hätten, vielleicht hätte ich sie sogar links liegen gelassen, wenn nicht eine Stimme manchmal raunen würde: Mach’s einfach!

Und genau das mache ich jetzt! Danke für eure Aufmerksamkeit 😉

Stay weird and creative

Alantya

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s