Gemeinschaft erhöht Produktivität: Künstlertag- Reflektion und Motivationsstops (und wie man sie bekämpfen kann)

Wieder einmal ist es lange her, dass ich einen Blogpost verfasst habe und ich habe das Gefühl, dass es noch länger her ist, dass ich mich kreativ betätigt habe. So viele Bilder die gemalt werden wollen, so viele Geschichten, die aufgeschreiben werden wollen. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke ist es gar nicht so. Zwischendurch haben sich wieder kleine „Zeit-„Häppchen eingeschlichen, in denen ich durchaus etwas kreatives gemacht habe. Ich habe mehrere Schriften und Designs skizziert, habe mich handarbeitstechnisch ein wenig ausgetobt und ein neues Schultertuch angefangen (in wunderschönen Herbstfarben) und bis auf zwei Blätter mein Yulgeschenk durchskizziert.

Aber die richtige Motivation anzufangen fehlte dann irgendwie doch- oder ich fühlte mich noch nicht bereit. Aus Angst vor der Überperfektion verließ mich dann meistens der Mut und ich legte den Block und Bleistift erneut beiseite, wartend auf ein Wunder oder einen Funken um dann wahrscheinlich das Projekt wieder auf ein neues Jahr herauszuzögern.

Aber was wäre man für ein Künstler wenn man nicht ein paar gute Freunde hätte, die einen (mehr oder weniger spontan) zu einem erneuten Künstlertag bei sich einladen. Vielleicht ist er das ja gewesen- der Funke, der überspringen musste.

Und tatsächlich:

Ich habe das erste Blatt fast komplett fertig (na sagen wir zu 80%), die Feinheiten und kleine Ausbesserungen sind noch vonnöten bis ich wirklich zufrieden bin. Das zweite Blatt was sich angeboten hatte jedoch….reden wir nicht drüber 😥

Mir ist mal wieder einmal sehr sehr schmerzlich bewusst geworden was es heißt in gute Qualität zu investieren. Auf meiner ersten Creativa im Jahre 2010 habe ich mir damals recht günstig Maskierfluid erstanden und konnte mich all die Jahre nie beschweren. Auf Leinwand hat es immer super funktioniert und mir so manches Bild gerettet oder mir mein Schaffen erleichtert. Da es genau so gut für Aquarellfarbe geeignet ist, habe ich es aufgetragen um den Hintergrund vom Vordergrund abzutrennen. Man lässt es normalerweise auch nie länger als 24h drauf um zu verhindern, dass man es hinterher nicht mehr ablösen kann. Gesagt getan, als das Fluid ansatzweise trocken war begann ich den Hintergrund zu gestalten- und er gefiel mir erstaunlich gut. ich hatte mal wieder einmal fast hoffnungslos versucht die „Salz-Technik“ anzuwenden und stellte mich auf ein mittelmäßiges Ergebnis ein (mit dem Salzt hatte ich bisher nie Glück gehabt), aber als nach nicht ganz einer Stunde der Hintergrund komplett trocken war und ich die salzkrümel wegfegte, war ich angenehm überrascht. Es hatte – im Ansatz- schon echt gut funktioniert und ich war glücklich endlich weitermachen zu können.

Als ich jedoch versuchte das Rubbelkrepp vorsichtig von dem Papier zu lösen, rissen sämtliche übereinandergepresste Papierschichten des Blockes auf und zerfaserten als hätte ich versucht, UHU Kleber von Papier zu trennen. Jeglicher Versuch das Papier heil zu lassen scheiterte und schließlich sah ich einer Kraterlandschaft weißen Aquarellpapiers entgegen. Ich war wirklich den Tränen nahe, da ich ein (ganzes) halbes Blatt bis auf den Hintergrund komplett zerstört hatte. Lychnobia riet mir, dass ich vielleicht mit Acrylfarbe versuchen könne die Fasern einigermaßen glattzulegen, doch wirklich schön sieht das Ergebnis immer noch nicht aus. Frustriert über die verlorene Arbeit stürzte ich mich wieder auf das erste Bild und begann mit einem Miniaturenpinsel winzig kleine Zwischenräume mit Aquarellfarbe zu füllen. Das versetzte mich wohl irgendwie in einen Zustand meditativer Trance und  der Verlust rückte doch wieder ein wenig in den Hintergrund und die von Christina fabelhaft gekochte Möhren-Kübis-Ingwer- Suppe war auch irgendwie ein Trost. Der nächste Gang zum Bastelladen meines Vertrauens wird nicht lange auf sich warten damit ich mir „anständiges“ Maskierfluid besorgen kann. Gegen 12 hat Christina sich dann verabschiedet und Lychnobia und ich schauten noch einen Film (zum entspannen/abreagieren  und so). nach dem Frühstück ging es dann gemächlich weiter, bei mir eher eifrig, bei Lychnobia eher…schläfrig, bis ich mich um 15 Uhr wieder auf den Heimweg machte.

Dieser Künstlertag war mal wieder seit langem einer derjenigen bei dem ich wirklich das Gefühl hatte etwas zu erschaffen. Auch wenn das ruinierte Bild noch immer nicht hübsch aussieht vlt. gibt es doch noch eine Chance es mit Acrylfarbe zu retten, so bekommt es auch einen „Mixed-Media“ Effekt, Hintergrund Aquarell, Vordergrund Acryl. Aber dennoch: der Fokus liegt noch auf dem unfertigen ersten Bild und auf den letzten beiden Skizzen die noch fehlen. Die anderen habe ich mittlerweile in meinem Buch mit Verbesserungs-/ Umsetzungstipps besudelt und warten nur darauf endlich umgesetzt zu werden. Durch meinen zweiwöchigen Urlaub werde ich hoffentlich genug Zeit haben (man hat immer zu wenig Zeit) alles fertig zu bekommen.

Das Problem an der Hobbykunst ist einfach, dass es immer wieder Durststrecken gibt in denen man sich überhaupt nicht in der Lage fühlt etwas zu machen. Diesen Motivationsstop bemerke ich immer öfter bei mir, beim malen/zeichnen als auch beim Schreiben (doch auch hier gibt es gute Freunde, die da etwas im petto haben, später dazu mehr in dienem anderen Post). Um sich langfristig zu motivieren gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Gemeinschaft: es gibt doch nichts Schöneres als zusammen zu plaudern, sich auszutauschen und ganz nebenbei auch noch der Kunst (welcher auch immer) nachzugehen. Wichtig ist dabei, dass man sich nicht allzu oft ablenken lassen sollte (ich starre immer die Bilder und Fortschritte der anderen an und vergesse dass ich auch selbst einen Pinsel in der Hand halte ^^), Störfaktoren wie nebenbei Fernseher laufen lassen etc. ist gaaanz schlecht. Ich persönlich bin ein unglaublicher Musikfetischist beim werkeln, allerdings muss ich meistens in der Gesellschaft von Christina und Lychnobia drauf verzichten. Die Mehrheit entscheidet halt. Im Notfall gibt es immer noch Kopfhörer.

1.2 Online-Gemeinschaft: Nicht jeder hat die Möglichkeit sich immer mit Freunden zu treffen, die zufällig auch künstlerisch begabt sind (man hab ich ein Glück :-)), Kreativgruppen und Foren können da eine gute Alternative sein, aber man sollte sich dennoch vorsichtig da reintasten. Es gibt nichts Schlimmeres für mich z.B. als eine zusammengeschweißte Truppe, die einen nur als Eindringling sieht. Es gibt halt solche und solche: offenherzige Künstler, die fast jeden in Empfang nehmen und solche, die lieber unter sich bleiben. Große Communities bieten den Vorteil der (Fast-) Anonymität, wo jeder seinen Platz hat und diese kleinen Rangeleien der Kleingrüppchen eben nicht. Klar gibt es auch da vlt. bekannte Künstler, die sich mit Anfängern nicht abgeben, aber manchmal gibt es auch Überraschungen über die man sich freuen kann.

2. Kleine Schritte setzen: es bringt nichts ein ganzes (Skizzen-)Buch an einem Abend zu füllen. Falls man an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet (bei Aquarell meistens der Fall wegen der Trocknungszeit der einzelnen Schichten), sollte man immer abschnittweise weiterarbeiten (und sich im allerschlimmsten Falle noch eine Beschäftigung suchen, falls man an keinem der Bilder im Moment arbeiten kann). Die kleinen Schritte sind auch auf das langfristige Motivieren bezogen. Ich werde nie so viel Zeit haben um jeden Tag ein Bild zu malen. Ich z.B. nutze aber die Schulpausen für Skizzen oder Vorzeichnungen. So kann man die Zeit sinnvoll nutzen, man sieht dass man weiterkommt und ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich jeden Tag (doch) etwas getan habe. Man könnte sich auch jeden Tag (oder jeden zweiten) jeweils eine Stunde abzwacken (weniger würde sich vlt. nicht lohnen und mehr als eine Std. ist auch schon wieder ein ganzer Happen Zeit, den man erst einmal haben muss) um ein bisschen herumzukritzeln, skizzieren oder sich auch nur ein wenig mit einem größeren Projekt beschäftigen.

3. WIP Fotos: Selbstmotivation! Fotografiert man sein Werk in verschiedenen Entwicklungsstadien, kann man kleine Fehler erkennen um sie auszubessern und man sieht seinen Fortschritt. Für mich ist das ungemein motivierend, aber das muss jeder für sich selbst wissen. Ich find es aber klasse wie sich aus anatomischen Strichmännchen eine Szene entwickeln kann (wenn es hinterher coloriert ist, wird`s noch schöner:-))

4. Tutorials/Bücher lesen: Falls man gerade wirklich mal keinen Nerv hat selber den Stift/Pinsel/Feder in die Hand zu nehmen schaue ich mir z.B gerne Bücher zum Thema an oder surfe  im Netz um mir Inspiration zu holen. Tutorials im Internet und aus Büchern sind – finde ich- immer hilfreich wenn es darum geht mal eine andere Perspektive zu bekommen. Für Anfänger wie mich kann es auch ungemein frustrierend sein auf Deviantart die ganzen tollen Endprodukte zu sehen, doch da hilft nur ein einziges Mantra: jeder hat mal klein angefangen. Und wer weiß, vlt. schaffen es ja einige Künstler u. Bilder mich so zu motivieren, dass ich am Ende doch noch mal den Pinsel schwinge (und wenn es nur Genugtuung ist gerade jetzt was für mein Projekt getan zu haben)  

Habt ihr noch Tips? Ich bin bemüht die Liste aktuell zu halten und zu erweitern. Wie motiviert ihr euch? Was hindert euch und wie seht ihr „kreative Pausen“? Ist es schwieriger danach wieder anzufangen oder ist das kein Problem für euch?

CU

Alantya

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